{"id":872,"date":"2010-01-01T17:50:53","date_gmt":"2010-01-01T15:50:53","guid":{"rendered":"http:\/\/kg-saarland.gdp-bundespolizei.de\/2010\/01\/01\/streikrecht-fur-beamte\/"},"modified":"2010-01-01T17:50:53","modified_gmt":"2010-01-01T15:50:53","slug":"streikrecht-fur-beamte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kg-saarland.gdpbundespolizeikoblenz.de\/?p=872","title":{"rendered":"Streikrecht f\u00fcr Beamte!"},"content":{"rendered":"<p>Immer wieder wird nachgefragt, was ist eigentliche mit dem Streikrecht f\u00fcr BeamtInnen. Der aktuelle Sachstand:<\/p>\n<p>Der Europ\u00e4ische Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte (EGMR) hat in zwei<br \/>\nUrteilen gegen die T\u00fcrkei das Koalitionsrecht des Art. 11 der<br \/>\nEurop\u00e4ischen Menschenrechtskonvention (EMRK) neu ausgerichtet. Im<br \/>\nGrundsatz wurde das Recht auf Kollektivverhandlungen und auch das<br \/>\nStreikrecht von Art. 11 EMRK gesch\u00fctzt anerkannt. Der EGMR hat<br \/>\ninsbesondere das Streikrecht gesch\u00fctzt sowie ein generelles Verbot des<br \/>\nBeamtenstreiks als einen Widerspruch zu Art. 11 EMRK gewertet. Fraglich<br \/>\nbleibt jedoch bei aller positiven Einsch\u00e4tzungen dieser Urteile, ob und<br \/>\ninwieweit sich daraus ein Streikrecht f\u00fcr Polizeibeamte ergeben kann.<br \/>\nIm Kern ist es nunmehr unstreitig, dass die auch von der Bundesrepublik<br \/>\nDeutschland ratifizierten v\u00f6lkerrechtlichen Vertr\u00e4ge, wie der<br \/>\n\u00b4Internationale Pakt \u00fcber b\u00fcrgerliche und politische Rechte` sowie der<br \/>\n\u00b4Internationale Pakt \u00fcber irtschaftliche, soziale und kulturelle<br \/>\nRechte\u00b4, das Recht auf Koalitionsfreiheit sowie das Recht zum Streik<br \/>\nbeinhalten. Es ist dar\u00fcber hinaus anerkannt, dass ein absolutes<br \/>\nStreikverbot, also auch eines f\u00fcr Beamte, die nicht im Namen des<br \/>\nStaates handeln und die nicht in wesentlichen und lebenswichtigen<br \/>\nDiensten besch\u00e4ftigt sind, Art. 22 IPBRR, verletzen k\u00f6nnte. <!--more--><span id=\"more-2179\"><\/span><\/p>\n<p>Ein absolutes Streikverbot f\u00fcr Beamte w\u00fcrde im \u00dcbrigen nach<br \/>\nherrschender Meinung auch Art. 6 Abs. 4 der Europ\u00e4ischen Sozialcharta<br \/>\nzuwiderlaufen, denn durch die ESC sind ebenfalls auf europ\u00e4ischer Ebene<br \/>\ndie beiden S\u00e4ulen der kollektiven Besch\u00e4ftigtenvertretung<br \/>\n(Koalitionsfreiheit und Streikrecht) normiert. Das Streikrecht ist in<br \/>\nden Mitgliedsstaaten des Europarats allgemein anerkannt.<\/p>\n<p>Zum Beamtenstreik ist die Lage gleichwohl differenzierter. Wenn sich<br \/>\nauch die Bundesrepublik teilweise deutlicher Kritik ausgesetzt sieht,<br \/>\nist festzustellen, dass es keine wesentlichen Stimmen gibt, die<br \/>\njedenfalls auch den mit lebenswichtigen Aufgaben betrauten Beamten<br \/>\nunumwunden ein Streikrecht zubilligen. Da der EGMR grunds\u00e4tzlich die<br \/>\nEinschr\u00e4nkung des Streikrechts f\u00fcr zul\u00e4ssig erkl\u00e4rt hat, kommt es auf<br \/>\ndie Frage an, mit welchen Argumenten das Streikrecht ein Teil der<br \/>\nBesch\u00e4ftigten vorenthalten wird. Dies gilt umso mehr, als das es gerade<br \/>\nkein ausdr\u00fcckliches gesetzliches Streikverbot f\u00fcr BeamtInnen gibt,<br \/>\nwenngleich die st\u00e4ndige Rechtsprechung des BVerfG und des BVerwG gegen<br \/>\ndas Streikrecht f\u00fcr Beamte, jedenfalls vom EGMR, als rechtsetzend<br \/>\nbewertet wird. Der EGMR stellt klar, dass der Eingriff in das<br \/>\nStreikrecht nur bei Verfolgung eines legitimen Ziels zul\u00e4ssig ist. In<br \/>\nden zugrundeliegenden Entscheidungen wurden schlichte Hinweise der<br \/>\nRegierung auf das Ziel der Aufrechterhaltung der Ordnung mindestens<br \/>\nbezweifelt.<\/p>\n<p>Im Ergebnis jedoch wird man Sicherheitserw\u00e4gungen heranziehen, denn<br \/>\nder EGMR hat die hier zur Diskussion stehende Rechtauffassung u. a. auf<br \/>\ndas sog. Pellegrin- Urteil aus dem Jahr 1999 abgestellt. Im<br \/>\nPellegrin-Urteil hatte der EGMR auf eine Auffassung der Kommission<br \/>\nBezug genommen, nach der sich die Kommission bei ihren Aktionen zur<br \/>\nDurchsetzung der Freiz\u00fcgigkeitsrechte vorrangig auf diejenigen<br \/>\nBeamtenkategorien konzentrieren wollte, die soweit von den spezifischen<br \/>\nT\u00e4tigkeiten der \u00f6ffentlichen Verwaltung entfernt sind, dass sie nur in<br \/>\nau\u00dfergew\u00f6hnlichen F\u00e4llen unter die Ausnahme nach Art. 48 Abs. 2 EWG-V,<br \/>\njetzt Art. 39 Abs. 4 EG, fallen. Dazu geh\u00f6ren u.a.: Einrichtungen der<br \/>\nVerwaltung, die mit kommerziellen Dienstleistungen betraut sind, das<br \/>\n\u00f6ffentliche Gesundheitswesen, der Unterricht an staatlichen<br \/>\nBildungseinrichtungen und die zivile Forschung.<\/p>\n<p>Damit greift auch die j\u00fcngste Rechtsprechung abermals auf<br \/>\nAbgrenzungen und Beamtenkategorien zur\u00fcck, die bereits seit 1988<br \/>\ngelten, mit der Folge, dass f\u00fcr nicht sicherheitsrelevante<br \/>\nBeamtengruppen ein Beamtenstreikrecht vor dem Hintergrund der j\u00fcngsten<br \/>\nRechtsprechung sehr gut vertreten werden kann.<\/p>\n<p>Da es aber unstreitig<br \/>\nsein d\u00fcrfte, dass jeder Polizeibeamte eine sicherheitsrelevante<br \/>\nDienstverrichtung aus\u00fcbt, die im \u00dcbrigen auch im Wesentlichen nicht von<br \/>\nprivaten Dienstleistern oder Angestellten der \u00f6ffentlichen Verwaltung<br \/>\nidentisch verrichtet wird, muss man im Ergebnis davon ausgehen, dass<br \/>\neine gesetzliche oder h\u00f6chstrichterliche Einschr\u00e4nkung des<br \/>\nBeamtenstreikes jedenfalls auf sicherheitsrelevante Beamtengruppen<br \/>\nrechtlich zul\u00e4ssig ist.<\/p>\n<p>Autor:<br \/>\n<font size=\"2\" face=\"Arial\">Sascha Braun<\/font><br \/>\n<font size=\"2\" face=\"sans-serif\">&#8211; Justiziar des GdP-Bundesvorstandes &#8211; <\/font><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wieder wird nachgefragt, was ist eigentliche mit dem Streikrecht f\u00fcr BeamtInnen. Der aktuelle Sachstand: Der Europ\u00e4ische Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte (EGMR) hat in zwei Urteilen gegen die T\u00fcrkei das Koalitionsrecht des Art. 11 der Europ\u00e4ischen Menschenrechtskonvention (EMRK) neu ausgerichtet. 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