{"id":975,"date":"2012-03-13T14:04:02","date_gmt":"2012-03-13T12:04:02","guid":{"rendered":"http:\/\/kg-saarland.gdpbundespolizei.de\/?p=703"},"modified":"2012-03-13T14:04:02","modified_gmt":"2012-03-13T12:04:02","slug":"kommentar-des-monats-der-schlussel-zum-schloss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kg-saarland.gdpbundespolizeikoblenz.de\/?p=975","title":{"rendered":"Kommentar des Monats: Der Schl\u00fcssel zum Schloss"},"content":{"rendered":"<div class=\"entry\">\n<div id=\"attachment_5102\" class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 129px;\">\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-5102 \" title=\"09A_3768\" src=\"http:\/\/www.gdpbundespolizei.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/09A_3768-199x300.jpg\" alt=\"\" width=\"119\" height=\"180\" \/><\/p>\n<p class=\"wp-caption-text\">Kommentar von Sven H\u00fcber im Bezirksjournal BP der Zeitschrift \u201eDeutsche Polizei\u201c, Ausgabe Februar 2012<\/p>\n<\/div>\n<p>\u201eVerantwortungsbewusstsein ist der Schl\u00fcssel zur B\u00fcrgerlichkeit\u201c, hie\u00df es k\u00fcrzlich in einem Kommentar einer Berliner Tageszeitung.<\/p>\n<p>Nicht schlecht, denkt man. Das k\u00f6nnte ja geradezu ein Markenbegriff auch f\u00fcr b\u00fcrgerliche Politik sein, welche Verantwortung f\u00fcr Tausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Bundespolizei und deren physische und psychische Belastungssituation, aber auch deren Berufszufriedenheit tr\u00e4gt. Die der b\u00fcrgerlichen Koalition vorstehende Bundesregierung erkl\u00e4rte auch gegen\u00fcber dem Parlament, dass im Ergebnis der \u201eStrohmeier-Studie\u201c und der \u201eBeerlage-Studie\u201c bei den Besch\u00e4ftigten der Bundespolizei Motivationsprobleme und eine \u00fcberdurchschnittliche psychische Belastung bestehen; \u2013 die Ergebnisse der Studien w\u00fcrden von der Bundesregierung ernst genommen.<\/p>\n<p>Die Hauptursachen von Belastungsohnmacht und Frust sind seit der ersten Evaluation der Neuorganisation \u00f6ffentlich bekannt: zu wenig Personal f\u00fcr die \u00fcbertragenen Polizeiaufgaben (\u2013 die angeblich 1000 zus\u00e4tzlichen \u201eReform-Polizisten\u201c konnten ja nie \u201eauf der Stra\u00dfe\u201c ankommen, weil es sie nicht gab \u2013), mehr Dienstposten als Mitarbeiter, zu viele Eins\u00e4tze an Wochenenden, unbefriedigende Arbeitsorganisation, unzuverl\u00e4ssige und familienunfreundliche Dienstpl\u00e4ne aus Personalnot, teilweise immer noch schlechte berufliche Entwicklungschancen, dazu noch unbeschreibliche Stilbl\u00fcten deutscher Sparpolitik sowie in einigen F\u00e4llen uralte Fahrzeuge, lahme PC und, und, und \u2026<\/p>\n<p>Die Folgen sind auch bekannt: erhebliche Berufsunzufriedenheit sowohl beim \u201eMann auf der Stra\u00dfe\u201c als auch bei F\u00fchrungskr\u00e4ften bis ganz nach oben, steigender Krankenstand.<span id=\"more-5101\"><\/span><\/p>\n<p>Die Bundesregierung behauptet gegen\u00fcber den Parlamentariern, man habe \u201eMa\u00dfnahmen zur Verbesserung der Arbeitsqualit\u00e4t und zur Verringerung vermeidbarer Arbeitsbelastungen initiiert\u201c und k\u00fcndigt f\u00fcr das zweite Halbjahr 2012 eine \u201eAufgabenkritik\u201c an. Ach, ja. Na, das l\u00e4sst ja hoffen \u2026 Oder doch nicht?<\/p>\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte Problem deutscher Politik ist die Glaubw\u00fcrdigkeit; f\u00fcr nur 37% der B\u00fcrger ist z. B. die Politik der CSU und 35% die der CDU glaubw\u00fcrdig, bei der FDP sind es sogar nur 15%.<\/p>\n<p>Der mit einem gef\u00fchlten Schulterzucken der Verantwortlichen inzwischen salonf\u00e4hig gemachte Widerspruch zwischen Ank\u00fcndigungen und tats\u00e4chlichem Handeln ist so gro\u00df geworden, dass es \u00e4rgerlich stimmt.<\/p>\n<ul>\n<li>Im Koalitionsvertrag nahmen sich die b\u00fcrgerlichen Regierenden vor, dass die Bundespolizei \u201emit vorhandenen Ressourcen mehr [\u2026] erreichen\u201c solle \u2013 um ihr dann mit schn\u00f6der Chuzpe die vorhandenen Ressourcen, vor allem \u00fcber 600 Planstellen, eiskalt zu streichen und die entsprechenden j\u00e4hrlich \u00fcber 1 Million Mannstunden den ohnehin \u00fcberlasteten Einsatzkr\u00e4ften zus\u00e4tzlich aufzubuckeln.<\/li>\n<li>Warum verschweigen das Bundesinnenministerium und der Minister dem Parlament in ihren Haushaltsvorlagen, dass Stellenstreichungen angesichts der wissenschaftlich festgestellten \u00dcberlastung schlicht unverantwortlich sind?<\/li>\n<li>Noch bevor die angek\u00fcndigte \u201eAufgabenkritik\u201c \u00fcberhaupt auf dem Tisch liegt, bewirbt sich das Bundesinnenministerium um eine neue, weitere Zusatzaufgabe f\u00fcr die Bundespolizei, die Frachtkontrolle, um wenigstens weniger Stellen gestrichen zu bekommen als vorgesehen, wohlwissend, dass daf\u00fcr kein Personal vorhanden ist, sondern diese im Kern Nicht-Polizei-Aufgabe die Umsetzung weiterer Mitarbeiter an die Flugh\u00e4fen nach sich z\u00f6ge. Das ist ein Verschieben von L\u00f6chern statt \u201eVerringerung vermeidbarer Arbeitsbelastungen\u201c.<\/li>\n<li>Der Vorg\u00e4nger des jetzigen Bundesinnenministers verspricht \u201eeine Verbesserung weiterer Rahmenbedingungen f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten der Bundespolizei in Vollzug und Verwaltung\u201c; tats\u00e4chlich verschlechtert sein Nachfolger lediglich die Aufstiegskonditionen, statt wirksam die grottenschlechte Bef\u00f6rderungssituation bei den Polizeiobermeistern und den Regierungsobersekret\u00e4ren anzugehen.<\/li>\n<li>Im Weihnachtsbrief des Ministers wird versichert, dass ihm die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein Herzensanliegen sei, was man, wer Hans-Peter Friedrich kennt, ihm auch unbesehen glaubt. Seine Administration im Bundespolizeipr\u00e4sidium hingegen f\u00fchrte einen \u2013 von ihr letztlich verlorenen \u2013 Kleinkrieg gegen die Personalr\u00e4te, die um familienfreundliche Arbeitszeitmodelle k\u00e4mpften.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die unerfreulichen Beispiele der erkannten, aber nicht wirklich angepackten Probleme lie\u00dfen sich fortsetzen. \u201eFangt bitte endlich an!\u201c, m\u00f6chte man laut rufen. Sagt dem Haushaltsausschuss und dem Bundestag wenigstens in euren Reden, dass seine Stellenstreichungen einfach nicht mehr hinnehmbar sind! Benennt die Aufgaben, die die Bundespolizei nicht mehr ohne neues Personal erledigen wird, statt euch hackenklappend um Zusatzaufgaben zu bewerben, die zu noch mehr Belastung f\u00fchren werden! Schreibt nicht Presseerkl\u00e4rungen \u00fcber die Absicht der Verbesserung von Rahmenbedingungen, sondern \u00fcberlegt, wo die 10 Millionen f\u00fcr die Bef\u00f6rderung der \u00fcber 40j\u00e4hrigen Obermeister tats\u00e4chlich hergenommen und die Bundesobergrenzenverordnung ge\u00e4ndert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nach einer Forsa-Umfrage f\u00fcr den STERN vom November 2011 finden nur 34% der B\u00fcrger, dass Bundesinnenminister Friedrich seinen Job gut macht. Nach der \u201eStrohmeier-Studie\u201c f\u00fchlen sich mehr als drei Viertel der Besch\u00e4ftigten der Bundespolizei von der Politik und insbesondere der Bundesregierung nicht unterst\u00fctzt. \u201eNun, jeder hat sein Los, und leicht ist keines\u201c, schreibt Hermann Hesse.<br \/>\nDiese Zahlen lassen uns aber nicht frohlocken; ganz im Gegenteil. Mir w\u00e4ren Spitzenbefragungswerte f\u00fcr Minister und Regierung zehnmal lieber, die darauf beruhten, dass die Bundespolizisten sagen: \u201eJa, der tut was f\u00fcr uns! Ja, die unterst\u00fctzen uns wirklich, da kommt was!\u201c.<\/p>\n<p>Das Zukunftsinstitut hat in seiner aktuellen Studie \u201eFuture Company\u201c festgestellt, dass in der Arbeitswelt von morgen der Mitarbeiter im Mittelpunkt stehen wird. Das Unternehmen der Zukunft habe die Ressource Mitarbeiter erkannt und hole sich die Menschen, vor allem ihre Begeisterung, zur\u00fcck. Vielleicht braucht man an den Schaltstellen nun auch noch diese dritte Studie, um den \u201eSchl\u00fcssel zur B\u00fcrgerlichkeit\u201c endlich ins Schloss zu stecken und die \u00dcberlastungs- und Perspektivprobleme der Bundespolizei nicht nur mit dem Mund, sondern mit der Tat anzugehen.<\/p>\n<p>2012 sollte das Jahr der gemeinsamen Belastungssenkung werden. Wir k\u00f6nnen und werden da jedenfalls nicht locker lassen \u2013 bis Ergebnisse erkennbar sind und dann hoffentlich auch wieder die Umfragewerte steigen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.cop2cop.de\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/pdf.png\" alt=\"pdf\" width=\"20\" \/> <a href=\"http:\/\/www.gdpbundespolizei.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Der-Schl\u00fcssel-zum-Schloss.pdf\" target=\"_blank\">Artikel zum ausdrucken<\/a><\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<p><small><br \/>\nThemenbereich: <a title=\"Alle Artikel in Aus dem Bezirksvorstand ansehen\" href=\"http:\/\/www.gdpbundespolizei.de\/category\/aus-dem-bezirksvorstand\/\" rel=\"category tag\">Aus dem Bezirksvorstand<\/a> |<br \/>\n<a title=\"Drucken\" href=\"http:\/\/www.gdpbundespolizei.de\/2012\/02\/kommantar-des-monats-der-schlussel-zum-schloss\/print\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Drucken<\/a><br \/>\n<\/small><\/p>\n<hr \/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kommentar von Sven H\u00fcber im Bezirksjournal BP der Zeitschrift \u201eDeutsche Polizei\u201c, Ausgabe Februar 2012 \u201eVerantwortungsbewusstsein ist der Schl\u00fcssel zur B\u00fcrgerlichkeit\u201c, hie\u00df es k\u00fcrzlich in einem Kommentar einer Berliner Tageszeitung. 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