Raus aus der Sardinenbüchse – und – Eingepfercht war gestern – Neues Revier in Perl/Nennig

Die Saarbrücker Zeitung veröffentlichte am 09.02.2013 und am 12.02.2013 zwei Artikel von SZ-Redakteurin Margit Stark:

Raus aus der Sardinenbüchse (vom 09.02.2013)

Die Dienststelle in Nennig war zu eng geworden: Foto Saarbrücker Zeitung: Ruppenthal
Die Dienststelle in Nennig war zu eng geworden: Foto Saarbrücker Zeitung: Ruppenthal

Perl. Künftig werden Langfinger keine Postautos in Perl mehr stehlen, da ist sich Professor Edwin Kohl sicher. Denn die Bundespolizei schickt sich an, Mieter seines Niedrig-Energiehauses in der Perler Bahnhofstraße zu werden. Kommende Woche soll der Kontrakt unter Dach und Fach gebracht werden.

Die Marschrichtung gaben Kohl und Peter Fuchs, Leiter der Bundespolizei Bexbach, bei einer Pressekonferenz am Freitag vor. Läuft alles nach Plan, werden die 15 Grenzschützer ihre Sardinenbüchse an der Nenniger Brücke bald verlassen und ein neues Revier “in Besitz nehmen können” – einen Teil des Erdgeschosses von Kohlpharma in der Bahnhofstraße in Perl.

Seit Jahren sind die Bundespolizisten an der Nenniger Moselbrücke auf 150 Quadratmetern eingepfercht – eine Misere, aus dem sie im Sommer erlöst werden sollen.

Dann werden ihnen 350 Quadratmeter zur Verfügung stehen. “Juli ist ein gutes Zeitfenster”, sagte Polizeidirektor Fuchs. Über die Höhe der Miete und die Investitionen wollen die Vertragspartner noch nichts sagen. “Wir kommen der Bundespolizei entgegen und haben angeboten, die Herrichtung der Räume zu übernehmen”, gibt Franz-Rudolf Weber vom Finanzvorstand preis.

Was Fuchs und Mike Egner, Personalvertreter und Mitglied der Polizeigewerkschaft (GdP), besonders freut: Sollte, wie seit langem versprochen, das Team der Grenzpolizei Nennig personell aufgestockt werden, gibt es die Option, weitere Räume anzumieten.

Raus aus der Sardinenbückse

“Nach langen Jahren einer unzureichenden Unterbringung im alten Gebäude an der Moselbrücke erhalten unsere Mitarbeiter endlich eine Polizeiunterkunft, die sich an den Erfordernissen effizienter Polizeiarbeit orientiert, ausreichend Sicherheitstechnik sowie Umkleide- und Sozialräume bietet.” Der Stahlbau in Nennig, irgendwann in den 60er Jahren an der Nenniger Brücke hochgezogen, ist längst in die Jahre gekommen – im Sommer ein Brutkasten, im Winter eine Eishöhle. Und zu wenig Platz gibt es ebenfalls – ein Grund, warum seit 2009 händeringend nach einem Domizil gesucht wurde. “Ein Neubau war zu teuer und zu unflexibel für eine mögliche personelle Aufstockung der Bundespolizei”, ergänzte Franz Kuhn von der Bundesanstalt für Immobilien.

Bürgermeister Bruno Schmitt nannte die Unterkunft in Perl ideal.

Quelle: Saarbrücker Zeitung

 

Eingepfercht war gestern vom 12.02.2013

Nennig/Perl. Ermittlungen, Verhöre, Büroarbeit, Funk bedienen – und das auf 150 Quadratmetern. Seit Jahren sind 15 Bundespolizisten an der Nenniger Moselbrücke wie in einer Sardinenbüchse eingepfercht. Mitte der 80er Jahre war der Grenzschutz, Vorgänger der Bundespolizei, in das Gebäude gezogen – für eine Schicht von zwei bis drei Mann durchaus ausreichend. Doch mittlerweile muss die fünffache Anzahl an Beamten in dem Haus Dienst verrichten – ermitteln, recherchieren, den Funk bedienen, vernehmen. Versprochen wurde ihnen von Seiten der Politik schon viel – vor allem auch neue Räume. Die Saarbrücker Zeitung hatte umfassend über die unhaltbaren Zustände der Unterbringung der Beamten berichtet.

Doch nichts hält eben so lange wie ein Provisorium – eine bittere Erfahrung, die die Beamten lange Zeit machen mussten. Doch bald werden die “Grenzschützer” dem alten, unisolierten Haus den Rücken kehren können. Noch in dieser Woche soll der Mietvertrag mit Hausbesitzer Professor Edwin Kohl in trockene Tücher gebracht werden. Die neue Adresse: das Gebäude von Kohlpharma in der Perler Bahnhofstraße (wir berichteten bereits). Mit rund 350 Quadratmetern wird das Team aus Nennig mehr als doppelt soviel Platz haben, wenn es im Sommer einen Teil des Erdgeschosses in Besitz nehmen wird. “Wir sind begeistert, das nicht isolierte Gebäude endlich verlassen zu können”, kommentiert Jörg Zenner, Mitglied bei der Polizeigewerkschaft GdP, den baldigen Umzug.

Saarbrücker Zeitung

“Im Sommer weist das Thermometer im Erdgeschoss des Hauses an der Moselbrücke an die 30 Grad auf, im ersten Stock schnellt es bis auf 40 Grad hoch”, sagt er auf SZ-Anfrage. “Im Winter haben wir schon Dienst bei 15, 16 Grad geschoben.” Die Heizungen und Klimaanlagen, zusätzlich angeschafft, helfen zwar und sparen Platz. Doch sie können in der Enge zur zusätzlichen Belastung werden. Den Aufenthaltsraum haben die Bundespolizisten zum Multifunktionsraum umgewandelt – für Pausen, fürs Essen und für Vernehmungen.

“Wenn wir jemanden zum Revier bringen, müssen die Kollegen samt ihren Utensilien den Platz räumen”, sagt der Gewerkschafter auf SZ-Anfrage. Schließlich sollen die Rechte des zu Vernehmenden gewahrt werden. Die Küchenzeile ist im Flur aufgebaut. Der Gewahrsamsraum ist längst tabu. Grund: Die Zelle entspricht nicht mehr den modernen Vorschriften. Die Sanitäreinrichtungen sind mehr als bescheiden. Platznot herrscht auch in den beiden Kabinen, in denen sich die Bundespolizisten umkleiden müssen.

Das neue Domizil in Perl nennt Zenner eine deutliche Verbesserung und eine Voraussetzung für eine personelle Aufstockung, die seit langem versprochen wurde. Der langfristige Mietvertrag, der nun abgeschlossen werden soll, beweist auch, dass die Bundespolizei sich nicht aus dem Dreiländereck zurückzieht. “Wir bleiben in Grenznähe”, hatte Peter Fuchs, Leiter der Bundespolizei Bexbach, bei der Pressekonferenz am vergangenen Freitag angekündigt. Und von Perl aus sei man schnell auf der Autobahn, die das Saarland mit Luxemburg verbinde – einem Aufgabenbereich der Grenzschützer.

Die A 8 ist das Revier der Bundespolizisten, ebenso die Moselstrecke von Frankreich in Richtung Trier, die Bahnhöfe im Kreis, die Liegenschaften der Bahn und natürlich ein Teil der Bahnstrecke im Saartal. Züge haben sie vor allem im Visier. Denn Schleuser bringen ihre Kunden immer seltener in Autos auf den Weg nach Europa, sondern in Zügen, wissen die Bundespolizisten. “Hier sitzen sie weit von ihren Leuten weg, meist in einem anderen Abteil, könnten unerkannt untertauchen, wenn es brenzlig wird”, sagen sie. Das Saarland liege nun einmal an einer der Haupt-Migrationsrouten. “Die Strecke führt von Südeuropa über Frankreich durchs Saarland” – “Uniform zeigen” sei daher unabdingbar.

“Wir bleiben in Grenznähe.”  Peter Fuchs, Leiter der Bundespolizei Bexbach

Derweil steht für Edwin Kohl fest: Durch die Präsenz der “Uniformierten” rund um die Uhr werde Perl sicherer. Denn sie unterstützen auch die Landespolizei. “Wir werden einen guten Pachtvertrag mit der Bundespolizei in dem ökologischen Anwesen aushandeln”, meint Kohl.

Quelle: Saarbrücker Zeitung